MICHAEL WERNER

MultiMediaMicha, Multipotential, Scanner Persönlichkeit & Networker

Minimalismus

Ich wurde praktisch gezwungen, zu minimieren. Durch ein Heruntersetzen meiner Arbeitsstunden in meinem damaligen Job wegen Sparmaßnahmen. Das führte natürlich zu weniger Geld auf meinem Gehaltskonto. Die Wohnung wurde schnell zu teuer und ich hatte einige unnötige Ausgaben. Also blieb mir nichts anderes übrig, als in eine günstigere Wohnung zu ziehen und alle unnötigen Verträge zu kündigen. Durch Zufall wurde eine kleine, günstige Wohnung frei und auch noch genau in dem Bezirk, in dem ich unter anderem aufgewachsen bin. Wir sind relativ oft umgezogen innerhalb der Stadt Berlin. Ich wollte da eigentlich nicht zurück in den Bezirk Spandau, da er etwas außerhalb liegt. Doch jetzt ist es wieder sehr schön, in einem sehr grünen Bezirk zu leben. Ich war auch gezwungen, extrem auszumisten, da sich die Wohnfläche von 60 auf 35 Quadratmeter verkleinerte. Ich habe einiges verkauft, aber auch gespendet und verschenkt, da der Aufwand bei nicht so wertvollen Dingen viel zu hoch ist. So kam sogar noch Geld rein und der Umzug kostete mich fast nichts. Ich fühlte mich nach kurzer Eingewöhnungszeit, leicht, frei und sehr wohl in dieser kleinen gemütlichen Wohnung. Wie früher als Kind, wenn man sich eine Höhle gebaut hat. Es hat sogar extrem viel Spaß gemacht, diese kleine Tiny Wohnung einzurichten und auszubauen. So habe ich z. B. eine weitere Leidenschaft entdeckt.

So langsam löst sich auch meine riesige Schallplatten und CD Sammlung auf. Nein, nicht in Salzsäure, sondern ich digitalisiere sie auf eine Festplatte, mit dem Windows Media Player. Der sucht auch die Titelnamen und Cover aus dem Internet und speichert sie mit ab. Bücher besitze ich nur noch ca. 20 Stück, da ich einen Bücherei Ausweis habe und mir fast alle Bücher ausleihen kann. Mittlerweile werden dort auch eBooks und der Reader dazu verliehen. Das ausmisten schafft Platz in meiner kleinen Wohnung und es lichtet sich langsam im Wald der Medien. Nur mein Hobby, DJ und Musik produzieren, ist noch sehr Geräte und Schallplatten intensiv. Eigentlich würde mein Laptop und ein Kopfhörer auch reichen um digital als DJ aufzulegen und Musik zu produzieren.

Vinyl ist meine große Baustelle. Ich kann mich nur schwer von noch ca. 300 Schallplatten trennen. 150 habe ich allerdings schon verkauft. Ich lege gar nicht mehr mit Vinyl auf, da es sehr schwer ist und es kaum noch Plattenspieler in Clubs oder Bars gibt. Mit Vinyl zu reisen ist kaum noch vorstellbar. An den Platten hängen auch viele Emotionen aus den Clubs und ein Teil davon habe ich geerbt. Mittlerweile finden sich selbst Raritäten, hörbar digital auf YouTube und zu kaufen in eShops.

Es bleibt harte und emotionale Arbeit zu entrümpeln. Es ist aber immer wieder ein für mich unbeschreibliches Gefühl, Platz zu haben. Ich brauche mich nicht mehr um die Dinge zu kümmern die ich eigentlich so nicht mehr brauche. Ich fühle mich bedeutend freier.

Warum horten und sammeln wir?
Man kann sagen, dass ein Sammlertrieb tief in unseren Genen sitzt, da wir ja schon zur Urzeit für die kalten Winter im Voraus gesammelt und gehortet haben. Wer viel gesammelt und gelagert hat, konnte relativ sicher den Winter überstehen. In Regionen, wo das Klima wärmer ist und das vorausdenkende Sammeln nicht erforderlich war, hat sich der Sammeltrieb nicht richtig entwickeln können. Die Lust am Jagen, Kriegen und Entdecken, ist ein weiterer Aspekt des Sammelns. Wer kennt nicht diese neugierigen Menschen, die aktuell den Sperrmüll durchforsten. Das ist übrigens ein Grund, weswegen die Sperrmüllaktionen in einigen Städten abgeschafft wurden. Da sich der Sammeltrieb offenbar verselbständigt hat, fragt man sich heutzutage, ob jemand noch aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus sammelt. Man wird zum Beispiel bei den Überraschungseierfiguren oder alten Zeitungen schnell feststellen, dass das keinen großen Sinn ergibt. Denn in Zeiten der erwarteten Not, wird man sie wohl schlecht verkaufen können, und essen kann man sie auch nicht.

Die Lust am Archivieren und Ordnen ist wohl gerade bei den Deutschen ein weiterer Grund für die Sammelleidenschaft. Kaum eine Nation erfreut sich einer so großen Zahl an Museen und Flohmärkten. Allein mit den Fernseh-Sendungen könnte man einen einzelnen Kanal füllen. Sammel- und Entrümpelungs-Sendungen wie: „Der Trödeltrupp – Das Geld liegt im Keller“, „Die Trödelsammler“, „Wege aus dem Chaos“ und „Raus damit“ machen betroffen. Die Deutschen haben es mit ihrer Ordnung, das geht wohl auf ein langes peinlich genaues preußisches Beamtentum zurück. Interessant ist auch, dass es immer mehr digitale Management-Systeme gibt, welche die angeblichen Vorzüge einer schnellen Suche und den optimalen Zugriff anbieten. Eine tolle Lösung, den übertriebenen Sammlertrieb und das Horten zu ändern, ist das Verschenken. Im Christentum und Buddhismus hat das Verschenken der Habe auch heute noch einen reinigenden Effekt. Wer viel verschenken konnte, war der Mächtigste, weil der Reinste.

Finde heraus, warum du Sachen angehäuft hast und wie du davon loskommst.

Hilflos? Das war ich auch am Anfang. Eine Wohnung voller angehäufter Dinge ist tatsächlich überwältigend. Was ich in den vielen Jahren angesammelt hatte, ließ sich nicht an einem Tag und auch nicht, nach einer Woche, sogar nicht nach einem Monat aufräumen oder entsorgen. Denke da mal an deinen Keller. Beginne auch hier mit der Salami-Taktik. Beginne jetzt, heute, mit einem kleinen Abschnitt. Es ist egal wo du anfängst und es wird emotional. Mache Pausen und bleibe dran.

Vielleicht fürchtest du dich, deine Wegwurf-Entscheidung zu bereuen. Du hättest den Tortenheber jetzt gut gebrauchen können? Du wirst niemals genug Dinge haben um ein Problem zu lösen, welches ja meistens kein Problem ist. Du brauchst nicht für jede Kleinigkeit ein Ding oder Teil.

Oder fühlst du dich so klein? Brauchst du deshalb viele Dinge? Wenn die Dinge anfangen, dein Leben zu regieren und nicht mehr du selbst, dann wirst DU immer kleiner.

Wahrscheinlich wirst du dich schuldig fühlen bei einigen Dingen, wenn du all die wertvollen Sachen aufräumst oder gar wegwirfst. Du fühlst dich schlecht, weil die Großmutter für das hässlich schöne Bild so viel Geld gezahlt hat. Du kannst nicht alles aufheben. Mach Fotos von den emotionalen Dingen und speicher sie auf dem Computer in einem Ordner.

Du hast keine Zeit? Immer kommt etwas anderes, wichtigeres dazwischen? Wende auch hier wieder die Salami Taktik an. Befreie dich langsam. Noch ist alles zu und nichts ist frei in deinen Räumen. Du hast viel mehr Zeit, als du ahnst. Überlege einmal kurz wie viel Zeit du hattest, für all das arbeiten zu gehen, Geld dafür zu verdienen, das alles zu besorgen, anzuhäufen, zu pflegen, zu reinigen, Staub zu putzen und Instandhalten. Befreie dich.

Sammle mehr Erinnerungen und keinen materiellen Kram. Behalte nur noch Dinge die du wirklich magst und brauchst. Gehe raus in die Natur, treffe Familie und Freunde oder gehe allein. Nehme die Schätze des Himmels, der Natur, der Tiere und Menschen um dich herum in dich auf und sammle sie.

5 Tipps minimalistischer und freier zu leben:

1. Mache von allen emotionalen Dingen digitale Fotos. Die stauben nicht ein und du kannst am Rechner eine Dia-Show starten, wenn du einmal in Erinnerungen schwelgen willst.

2. Alles was du länger als sechs Monate nicht gebraucht hast, wirst du wahrscheinlich nie wirklich brauchen. Ich meine hier wirklich brauchen. Entsorge langsam und bewusst. Du kannst Dinge die wertvoll sind verkaufen. Allerdings macht verschenken weniger Arbeit und Stress. Du kannst bestimmt ein paar Menschen eine Freude machen, mit den Dingen die du nicht mehr brauchst.

3. Schallplatten, CD´s und DVD´s lassen sich super digitalisieren. Die Zukunft ist unaufhaltsam, gerade im Technik Bereich. Bücher lassen sich auf vielen Geräten digital lesen. Du musst nicht alles entsorgen. Behalte eine übersichtliche kleine aber für dich wertvolle Sammlung.

4. Kaufe nur noch bewusst. Das musst du neu lernen. Warte ein paar Tage, bevor du etwas Neues kaufst und du wirst heraus finden, ob du es wirklich brauchst. Vermeide spontane Einkäufe.

5. Du sollst ja nicht alles entsorgen. Allerdings wirst du schnell feststellen, das weniger mehr ist. Du fühlst dich befreit, wenn du dich von unnützem trennst. Probier es aus.

4 Ideen für Minimalisten, die überwintern wollen

Die PA Box
Kennt ihr diese PA Transportboxen auf Rollen? Diese Boxen werden auch Racks oder Cases genannt. Es gibt diese Boxen auf Maß, mit Rollen, Tragegriffen, innerer Polsterung, verschiedenen Holzstärken, Schutzkanten und vielen weiteren Features. Mein persönliches Highlight ist der Konfigurator auf der Megacase Webseite. Die Cases sind ganz einfach im Internet zu bestellen. Die Kisten sind sehr stabil und praktisch. Man kann seine privaten Dinge in ein oder zwei von diesen Kisten verstauen und außerhalb der Wohnung lagern. Als Zugvogl vermiete ich meine Wohnung während der Überwinterung. Ich habe nur noch zwei Schränke in meinem Schlafzimmer und einer wird komplett für die Gäste freigeräumt. Alles Übrige, was ich in der Wohnung lasse, dürfen meine Gäste benutzen. Dazu gehören auch meine Schallplatten, CD´s und Bücher. Teilen ist das neue Haben.

Die Hotelzimmer Idee
Ich hatte auch mal die Idee, meine Wohnung wie ein Hotelzimmer einzurichten und diese Idee lässt mich nicht mehr los. Ich stelle mir das Zimmer minimalistisch, aber gemütlich und vor allem sehr funktionell vor. Warum fühlt man sich in den meisten Hotelzimmern doch sehr wohl, obwohl kaum etwas Persönliches drin steht? Ich denke, weil es so schön minimalistisch eingerichtet ist und man irgendwie sofort den Kopf frei hat. Alles ist leer und man kann seine Sachen aus seinem Koffer ganz schnell einräumen. Das könnte man doch auch zu Hause mal ausprobieren. Ich würde bei meiner zwei Zimmer Wohnung, einen Raum als Wohnzimmer und Schlafzimmer einrichten. Das andere Zimmer würde ich als Arbeitszimmer und / oder Abstellraum nutzen.

Der 50/50 Klamotten Mix
Meine größte Baustelle, vor der zweiten Baustelle der Vinyl Schallplatten, sind meine Klamotten. Jetzt im Sommer kommt für mich der beste Zeitpunkt, meine 50/50 Schrankidee umzusetzen. Total untypisch für einen Mann, besitze ich definitiv zu viel Kleidung, Taschen und Schuhe. Als ich 2016 Platz schaffen wollte für meine Airbnb Gäste, entstand die 50/50 Schrankidee. In die eine Schrank Hälfte kommen meine Business Sachen, mit größtenteils einfarbigen Teilen und zusammen passenden Outfits sortiert. Auf die andere Seite, kommt Freizeit und Sport Bekleidung. Die Outfits werden weitestgehend zusammen gestellt und es wird endlich ausgemistet. Das spart morgendliche Entscheidungskraft und ich vermeide Unordnung. Der Zweite Schrank bleibt leer für die Gäste, die während meiner Überwinterung hier wohnen. Vorher sortiere ich aus, was mir wirklich gefällt, was ich wirklich brauche und was nicht. Ich sehe mir meine Kleidung noch einmal genau an und mache mir dann bewusst, welche Teile ich gerne trage. Ich miste aus und genieße danach die Freiheit.

Minimalismus vs. Lagerung
Ist euch schon mal aufgefallen wie viel neue Lager-Hallen es gibt, wo man seinen Kram unterbringen kann? Allein 9 Standorte, plus 4 Planungen, gibt es allein von einer Firma in Berlin. Hier kann man ab einem Quadratmeter Stauraum mieten, gegen Geld versteht sich. Es scheint auch hier die Schere weiter auseinander zu gehen, von weniger besitzen, bis hin zu extrem viel Besitz. Wenn der Keller voll ist, kann man ja noch einen Lagerraum dazu mieten. Die einen Entrümpeln und sind glücklich und die anderen häufen an und sammeln meist unnützes Zeug. Wie sehr Besitz belastet, merkt man meist erst sehr spät. Es nervt auch irgendwann, dieses sinnlose Pflegen, Instandhalten und Erneuern der Gegenstände. Wenn man mit zwanzig angefangen hätte minimalistischer zu leben und zu sparen, wäre man heute wahrscheinlich reich.

Schlaue Zugvögl entrümpeln rechtzeitig und lagern während der Überwinterung ihre persönlichen Dinge und Wertsachen bei der Familie oder Freunden. Vielleicht sogar in so einer Transportbox auf Rollen.

Mehr auf Der Zugvogl.

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